
- Flyer des Musicals “Suicide” von und mit Helen Stratford
Ich war gestern in einem Musical – zum ersten mal in meinem Leben. Man kann ja einiges sagen über die alternative (Punker-)Szene in Berlin. Wer wie ich in Friedrichshain wohnt, und wer arbeits-, alters- und (naja) mentalitätsbedingt nachts eigentlich gerne schläft, der weiß wovon ich rede. Aber manchmal bietet die Berliner Szene eine Plattform bzw. Nährboden für Dinge, durch die einem bewusst wird, warum sich das alles lohnt - warum sich die Menschheit an sich lohnt.
Wir befinden uns eine Stunde vor Premiere in einer Show, in der unsere Heldin Blanche die Hauptrolle spielt. Sie geht auf die Damentoilette um sich vorzubereiten. Dort begegnet sie ihrem Spiegelbild, das sich verselbständigt und sie mit ihrem Selbsthass konfrontiert. Blanche gerät in einem Wirbel aus Träumen und Albträumen, aus Höhenflügen und Depressionen. Erst nachdem sich ihr Spiegelbild umgebracht hat, gelingt ihr die Versöhnung – und die Show kann weitergehen.
Wir befinden uns im Köpi. Der Putz fällt von den Wänden und eigentlich fallen die Wände von den Wänden. In einem Raum, wo sonst Pogo-bedingt noch mehr Wände von den Wänden fallen, stehen Stühle und Gartenbänke. Die Dunkelheit füllt sich mit alternativen Publikum aller Couleur und nach einer „Vorband“-Opernsängerin startet das Ensemble aus Pianist, Cellistin, dem Tod, zwei Drag-Queen-Tänzer(inne)n und last but not least der Hauptakteurin Blanche (Helen Stratford).
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